Größer als die Bundesliga

Im aktuellen PaderCast habe ich gesagt, dass das, was gerade in Paderborn passiert, größer ist als die Bundesliga. Dass es egal ist, in welcher Liga wir spielen, denn das, was Markus Krösche begonnen hat und Steffen Baumgart lebt, ist mehr als sportlicher Erfolg und Ligazugehörigkeit.

Das verstehe ich unter Fußballromantik

Für viele ist Fußballromantik ein abgeranztes Stadion ohne überdachte Plätze mit schlechter Infrastuktur. Ich habe gerne moderne Stadien mit guten Parkmöglichkeiten, einem Dach über dem Kopf bei Regen und genug Bierbuden und Toiletten, die nicht im Winter zufrieren. Trotzdem bezeichne ich mich gerne als Fußballromantiker, wenn ich sehe, was sich gerade in Paderborn entwickelt.

Von einem Mann abhängig, ohne Idee und am Abgrund war der SCP als Markus Krösche endlich von Bayer Leverkusen vom Co-Trainer zum Sportlichen Leiter zu uns wechseln konnte.
Mit im Gepäck: Eine kompromisslose Idee Fußball zu leben durch den ganzen Verein hinweg.
Erste personelle Entscheidung: Verpflichtung von Steffen Baumgart als Trainer. Seine einzige Cheftrainer Verpflichtung und die bisher, und hoffentlich noch lange, letzte Trainerverpflichtung beim SCP bis er zu RB Leipzig wechselte.

Auch wenn unter Baumgart kein Spiel mehr verloren ging, landeten wir am Ende der Saison 2016/17 auf einem direkten Abstiegsplatz in die Regionalliga. Finanziell am Ende, die Stadt verweigerte die Hilfe und Spieler wären sicher auch kaum da gewesen.

Ohne ’60 wär’n wir gar nicht hier!

… sei Dank! Wir sind doch hier!

Es folgten 2 unbeschreibliche Jahre in denen man mit tollem Offensivfußball einen Torrekord nach dem anderen aufstellte. Nicht unverdient ging es nach 2 Vizemeisterschaften in das Oberhaus im deutschen Profifußball, in der die Siege deutlich seltener gesät sind als noch in der 2. oder 3. Liga.

Aber gerade jetzt nach der oft von den Medien herbeigerufenen schlechten Phase zeigt sich der Trainer und er zeigt, was er nicht nur aus der Mannschaft, sondern aus dem Verein macht. Er gibt ihm ein Gesicht.

Und das Gesicht ist ehrlicher Fußball. Keine Show, keine Selbstdarstellung, kein anbiedern an finanziell stärkere Vereine. Kein „Ich bin kein Wappenküsser“, wir sind keine Durchgangsstation für einen aufstrebenden aalglatten Trainer. Da marschiert jemand beim Spiel die Linie rauf und runter, dem das Spiel und meine Mannschaft genauso viel bedeutet wie mir. Und der will auch nichts anderes aus dem Spiel machen als das es ist: Unterhaltung! Es soll dem Zuschauer gefallen und ihn für 90 Minuten furiosen Fußball sehen lassen.

Ziel ist es jedes Spiel zu gewinnen. Ob ein Testspiel in Delbrück oder in der Liga gegen die Bayern, jedes Spiel, jeder Gegner wird ernst genommen bis zur letzten Minute.

Was zählt ist das Team

Immer wieder versuchen die Medien bestimmte Spieler in den Fokus zu rücken, stellen die Taktik in Frage, versuchen zu verunsichern. Baumi und sein Team haben es aber geschafft, dass bei so vielen jungen Spielern das für niemanden wichtig ist. Was zählt ist das Team! Dass sich jeder einzelne Spieler weiterentwickeln kann, aber alle für den Verein spielen. Und ganz nebenbei schafft er es auch so den Fokus von den Spielern zu nehmen und so für Ruhe hinter den Kulissen zu sorgen.

Keine Rampensau, aber ein Mensch, den die Leute lieben

Ich glaube selbst Christian Streich oder Jürgen Klopp können nicht authentischer sein als dieser Mann, der im Trainingsanzug an der Linie brüllt und pfeifft, sich aufregt und mitfiebert wie nur wenige andere. Und trotzdem ist er vor der Kamera oder hinter dem Mikro so souverän und selbstsicher. Er ist ehrlich und verstellt sich nicht. Keinen Moment, ob die Kamera an ist, ob ein Reporter ihn etwas fragt, oder ein Fan. Dabei findet er auch die Worte, die doch jeder Fußballfan hören will.

Langweilige Spiele muss ich mir schon oft genug im Fernsehen anschauen

Im PaderCast Folge 153 hat sich der gute Mann 2 Stunden Zeit genommen um mit uns über Fußball und den SCP zu sprechen. Und er hätte noch länger gewollt 🙂
Ein muss für jeden SCP Fan da rein zu hören

Ich trete den Jungs ja manchmal nicht nur in den Arsch, sondern auch in die Eier.

So sprudelt es in Interviews aus ihm heraus oder auf die Frage:

„Glauben Sie, dass Sie schon so gereift sind, dass Sie auch einen Topclub trainieren könnten?“ kommt dann die umarmenswerte Antwort:

Ich bin bei einem Topclub, bei einem kleinen Topclub, aber bei einem Topclub“

Ein Gesicht, wir bekommen ein Gesicht!

Natürlich ist nicht Steffen Baumgart in Personalunion dafür verantwortlich, aber er gibt dem SCP ein Gesicht in der Öffentlichkeit. Man bekommt den Eindruck, dass wir etwas besonderes sind. Nicht mehr der gesichtslose Zweitclub aus Ostwestfalen, sondern ein Club mit Identität. Der Weg ist noch lang, aber es ist der Weg, den auch Martin Przondziono weiter geht mit jungen Spielern aus unteren Ligen, die hungrig sind und Talent haben. Die Spieler, die nicht ewig in Internaten gespielt haben und aalglatt sind, sondern die, die unter dem Radar gelaufen sind, die Bock und Talent haben, aber durchs Raster der durchstrukturierten zahlenbestimmten Jugendakademien gefallen sind, oder dort nicht weiter kamen. Das mit einer Idee Fußball zu spielen die Bock macht zu schauen, die sich auch jederzeit ein neutraler Zuschauer ansehen kann.

Ost, Ost, Ostwestfalen!

Durch unser Spitzen Trainingszentrum bei dem schon so einigen Spielern die Augen aus dem Kopf gefallen sind als sie es gesehen haben, das auch so viel hergibt, dass man zur Vorbereitung auf die Saison nicht weg fahren muss, sondern hier vor Ort gegen lokale Vereine antreten kann, ist ein weiterer dicker Pluspunkt.

Wir sind auf dem Weg jemand zu werden. Ein Verein, der nicht unter dem Radar, nicht aus geographischer Bequemlichkeit favorisiert wird (obwohl man ja einen Pottverein irgendwie besser findet), sondern ein Verein, den man einfach klasse findet und neben dem man keinen anderen gut finden will.

Ich freue mich zum Spiel am Wochenende auf Steffen Baumgart wie er wieder zu uns Fans kommt. Anders als in den letzten beiden Saisons, als wir von Sieg zu Sieg marschiert sind. Jetzt in einer schwierigen Zeit überqueren wir alle Berge, wir durchziehen jedes Tal wir fahren mit dir bis an die Nordsee, oh Paderborner wir sind da!

Und alle die da kommen, denkt dran:

Wer uns kennt, weiß, dass wir die Eier haben, so zu spielen!

4 Kommentare zu „Größer als die Bundesliga“

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